Tirili und Klickerklacker

von Niklas

"Hast du schön gehört? Die Frau Meyerhans heiratet kommende Woche." - "Nein, woher weißt du das denn schon wieder?" - "Na, die Vögel zwitschern es von den Bäumen."
Das ist die Nachstellung eines fiktiven Dialogs, wie er vor noch 50 Jahren ausgesehen haben kann. Voll urigem Charme wurden pikante Details mit dem Stille-Post-Prinzip in Windeseile im ganzen Kuhdorf herumposaunt. Somit erfuhr auch direkt jeder Büroschwengel und jede noch so kleine Tippnudel, dass Frau Meyerhans kommende Woche in den Hafen der Ehe einkehrt.

Nun, das ist an sich eine Nachricht, die wir entbehren können, doch trägt sie durchaus zu einem gewissen Teil zur Unterhaltung bei. Heutzutage gibt es ja - Gott sei Dank - Twitter, Facebook und Konsorten. Mir kommt es so vor, als wenn Twitter erst seit einem knappen Jahr sein Unwesen im Internet treibt. So ganz mag sich mir der Sinn dieser Plattform nicht erschließen. Fördert es nicht das Stubenhockertum, die Hyper-, Mega-, Giga-Generation, das Lol und Rofl? Es ermöglicht, dass Heinz Doof und August Dösig in Sekundenschnelle all ihren virtuellen Freunden mitteilen können, was sie gerade machen, was sie momentan bewegt, wie das Wochenende war etc. Ist es nicht ungefährt gleichbedeutend, ob August Dösig duschen geht oder in China eine Wurst platzt? Vielleicht legen Sie sich, liebe Leser, ja mal ein Profil bei Twitter an, falls Sie nicht ohnehin bereits zum Kreis der auserwählten zwitschernden Vöglein gehören. Dann melden sich Frau Meyerhans und ich ebenfalls dort an, damit wir alle zusammen unter polyglottem Stimmengewirr eine große Vogelhochzeit á la Rolf Zukowski feiern können.

18.3.10 18:34

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen
Werbung